Unnütze Freundlichkeit

Als der letzte Artikel über den Kassenlaser gezogen war, folgt auch gleich der fällige Betrag mit einer erwartenden Haltung für Bargeld. Wieder einmal hatte ich das übliche Geldholen vergessen und muss widerwillig mit meiner EC-Karte bezahlen.

Die Instruktionen ignorierend schiebe ich die Karte in den passenden Schlitz, tippe meine Geheimzahl erst im Kopf, dann in das Tastenfeld ein und erwarte die Meldung „Zahlung bestätigt. Bitte Karte entnehmen“ ab. Doch bevor diese erscheint werde ich darauf hingewiesen, die Karte bereits entnehmen zu können. In meiner Vorsicht und durch diese Verwirrung, die die aktuelle Situation in mir hervorgerufen hat schaffe ich es nicht, den Befehl auszuführen und warte weiter auf die Meldung während ich energischer darauf hingewiesen werde, die Karte rausziehen zu können.

Als somit endlich meine ersehnte Meldung erscheint ziehe ich die EC-Karte aus dem Slot und stecke sie routiniert in meinen Geldbeutel zurück. Mein Geldbeutel, treuer Diener, der eigentlich schon längst ausgedient hat und, den ich bisher immer wieder ersetzt haben wollte, wenn ich es nicht ständig vergessen würde. Und wenn der Prozess des Geldbeutel kaufens nicht unendlich zuviel wäre.

Dann kommt der Moment der Entscheidung. Mit der Karte im Geldbeutel vernehme ich die von der Zentrale oder Geschäftsleitung festgelegten Grußfloskel und bedanke mich, wie üblich, bei der Kassiererin für diese erfolgreiche Transaktion um im selben Moment festzustellen, dass das „gleichfalls“ völlig sinnlos gefallen war, da die nette Dame hinter der Kasse mir überhaupt keinen schönen Tag gewünscht hatte. Doch, auch wenn diese Situation eigentlich vollkommen peinlich zu sein scheint, interessiert es niemanden.

Wie oft stand ich bisher an der Kasse und bedankte mich, wünschte ebenfalls einen schönen Tag oder wünschte dem Kassierer einen guten Appetit mit meinem beschränkten Repertoire an Grußfloskeln und -Phrasen die man entsprechend antrainiert im Alltag.

Deshalb fragte ich mich bereits des Öfteren, ob diese vom Sinn befreite Nettigkeit an Kassen eigentlich nicht vollständig wegfallen könnte. Ich weiß, dass mein Tag meinem Gegenüber schlichtweg egal sein wird, da selbst, wenn ich innerhalb der nächsten 2 Stunden erneut einkaufen würde, die Kassiererin mich nicht erkennen würde muss und sicherlich die selben Sprüche aufwarten würde.

Ist es ja schließlich die allgemeine Aufgabe einer Verkäuferin, immer nett und freundlich zu sein, schreckt man in diesen Situationen nicht davor zurück, den eigenen MitarbeiterInnen notwendigerweise aufzuzwingen, den Kunden auch noch zu belügen.

Und der Kunde? Der möchte zwingend belogen werden. Will er sich ja schließlich auch geborgen und gut behandelt fühlen, auch wenn der nette Verkäufer oder die nette Verkäuferin sich eigentlich auf die Probleme zu Hause oder generell in ihrem Leben konzentrieren sollte, um auch weiterhin einen schönen Tag haben zu können.
Stattdessen schieben wir ihr unsere als viel wichtiger direkt vorweg und freuen uns, wenn sie danach noch geistesabwesend irgendwelche Phrasen wie „einen schönen/angenehmen/tollen/hervorragenden/… Tag/Mittag/Abend/Morgen noch!“ entgegenwirft.

Ich gehöre dann jedoch zur Gattung der „gleichfalls“-Brüller obwohl jeglicher Kontext fehlt.

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